Die Gruppe Angstfreileben ist ein Projekt des Offenen Roten Kreises. Die Angstfreileben-Gruppe trifft sich alle 3 Wochen an jedem Montag von 19 bis 21 Uhr in Dortmund-Kirchlinde. Die Termine sind unter Aktuelles angezeigt.

Die Gruppe beginnt mit einem Impulsreferat und einer anschließenden gemeinsamen Betrachtung der Elemente von Angstfreiheit. Es ist mit großer Lebensfreude und einer „anderen Lebensart“ verbunden, wenn wir lernen und erleben, ohne Angst zu sein. Um Gefahren bestmöglich zu begegnen, hilft uns nicht ein emotionaler Angstzustand, sondern die sachgerechte Vorsicht und damit die Fähigkeit, einen ruhigen Kopf für sinnvolle Entscheidungen zu behalten.

Ein Angstgefühl in uns entsteht, wenn wir die Realität oder zukünftige Erwartungen anders haben wollen, als sie sind oder dargestellt werden. Wenn wir den Konflikt zwischen der gegebenen Realität und unserem Wunsch, es solle anders sein, in Gelassenheit betrachten, verändert er sich.

Alle Menschen, die an Angstfreisein interessiert sind, können an den Gruppen teilnehmen. Es werden dort die Mechanismen vorgestellt, wie unsere Gehirne Angstgefühle erzeugen. Wir können dann aufhören, die „Angstproduktionsmaschine“, auf die wir so oft programmiert und geprägt wurden, überhaupt erst zu betreiben. Wir lernen, dass wir diese Maschine stoppen können, wenn wir wieder einmal auf sie eingegangen oder reingefallen sind.

Wer sich ernsthaft für ein Ende seiner inneren Angstproduktion interessiert, sollte bereit sein, dem damit verbundenen Angstmüll der Vergangenheit nicht mehr auszuweichen. Wir alle mussten im Laufe unseres Lebens viel schlucken und ertragen.

Die Gruppe Angstfreileben ist keine therapeutische Gruppe, auch wenn Therapieerfahrungen einfließen können. Jeder lebt natürlicherweise sein Leben selbst und trägt dafür seine Verantwortung, auch in der Gruppe.

Ausgehend von dem persönlichen Erfahren der Angstfreiheit wollen wir darüber hinaus dazu beitragen, dass sich im Geiste des Offenen Roten Kreises ein gemeinschaftliches Leben in Verbundenheit und ohne Angst voreinander sich entfaltet und vielleicht auch ausbreitet.


In den letzten Sitzungen haben wir gemeinsam das Haus “Angstfreileben” entwickelt:

Das Haus „Angstfreileben“

Wir bauen das Haus Angstfreileben. Es hat ein Fundament und drei Säulen, die es tragen, sowie ein Dach, das entsteht, wenn viele daran mitwirken.

Das Fundament erstellen wir dadurch, indem wir unser Leben angstfrei gestalten. Es geht also nicht um Psychologisieren oder Philosophieren, sondern um unser Handeln ohne Angst.

Die drei Säulen bestehen aus dem Wissen um die drei Mechanismen in unserem Denken, Fühlen und Handeln, die Angst hervorrufen. Je gründlicher wir die diese drei Mechanismen durchschauen, umso weniger aktivieren wir selbst die Angstproduktionsmaschine in uns und durchschauen die Menschen, die uns durch Angst steuern wollen. So verlieren Angstmacher die psychische Macht über uns, und wir können frei handeln.   

Die Energie, die angesichts realer Bedrohungen in unserem Körper aktiviert wird, dient der Vorsicht und ist lebenswichtig. Wir brauchen sie zum Handeln, um uns vor Bedrohungen zu schützen. Sobald wir eine reale Bedrohung wahrnehmen, handeln wir unmittelbar und verwerten so den Energieschub.

Die Energie bei vorgestellten Bedrohungen erzeugt Angst. Die Energie, die in der Angst steckt, kann nicht in Handeln umgesetzt werden, da keine konkrete Bedrohung existiert. Sie entsteht lediglich aus dem Nachdenken, was passieren könnte. Und solange dieses Nachdenken stattfindet, setzt es sich fort als das Grübeln über Angstfantasien. Das Angstgefühl ist also kein Signal für äußere Gefahren. Denn die Gefahr liegt in den Befürchtungen, die wir durch Denken aufgrund von unverarbeiteten Erinnerungen erzeugen und dies dann als Angst erleben. Dieser Prozess kann katastrophale Ausmaße annehmen. Die Energie, die ebenfalls im Körper erzeugt wird und die wir als Angst empfinden, fordert uns heftig auf, mit den Angstfantasien aufzuhören und bei der Realität der Gegenwart und der Verbundenheit zu bleiben.

Es gibt real nur die Gegenwart. Vergangenheit und Zukunft bestehen aus Vorstellungen, nämlich aus Erinnerungen und Zukunftsfantasien. Wenn wir uns von Erinnerungen an die Vergangenheit und Vorstellungen über die Zukunft bedroht fühlen, entsteht Angst. Die Herausforderungen des Lebens, vor die wir gestellt werden, finden immer in der Gegenwart statt, der einzigen Wirklichkeit, die auf uns einwirkt. Unser Nervensystem hat sich evolutionär mit der Tatsache, dass es nur die Gegenwart gibt, entwickelt. Deshalb erzeugt es als Warnsignal die Energie, die wir Angst nennen, damit wir aufhören, Sicherheit im Grübeln über Vergangenheit oder Zukunft suchen. Die Vergangenheit ist tot, sie besteht nur aus Bildern der Erinnerung an Vergangenes. Niemals können diese Erinnerungen die ganze Lebendigkeit des gegenwärtig Erlebten wiedergeben.

Die Zukunft ist unbekannt, egal wie sehr wir darüber nachdenken. All unsere Gedanken über die Zukunft setzen sich aus Erfahrungen, die wir in der Vergangenheit gesammelt haben, zusammen. Das Unbekannte können wir nicht denken. Wenn wir also an die Zukunft denken, reproduzieren wir nur vergangene Erfahrungen. Mit Angst vor Vergangenheit und Zukunft trennen wir uns gedanklich von dem enormen Lebensprozess, der schöpferisch unaufhörlich Neues in neuen Situationen schafft. So können wir die Herausforderungen der Gegenwart nicht mehr gut bewältigen.

Angst ist also das Signal unseres Organismus, aufzuhören, die Lösung unserer Probleme in der Vergangenheit oder in der Zukunft zu suchen. Der Schlüssel unserer Probleme liegt in der Gegenwart, der einzigen Wirklichkeit, mit der wir Kontakt haben und in der wir leben. Wenn wir gegenwärtig sind, entsteht keine Angst, wohl aber die Vorsicht, wenn Bedrohungen auftauchen.

Alles ist miteinander verbunden. Es existiert kein Mensch, kein Lebewesen und auch kein Ding abgetrennt von dem Rest der Welt. Wir stehen immer in Beziehung zu unserer Mitwelt. Das ist das Wesen der Verbundenheit. Von der Qualität unseres Stoffwechsels mit der Außenwelt hängt es ab, ob wir gut oder weniger gut leben. Ein guter Stoffwechsel ist für alle Lebewesen, auch für Tiere und Pflanzen, lebensnotwendig. 

Der Körper erzeugt ein Wohlbefinden, wenn zugleich Selbstfürsorge sowie die Gestaltung guter Beziehungen zu unserer Mitwelt aktiv sind. Man kann dieses Empfinden von Verbundenheit auch „Liebe“ nennen. Wenn wir nur an die anderen denken oder im Gegenteil nur an uns selbst, in beiden Fällen ignorieren wir diese Tatsache der Verbundenheit und spüren keine Liebe. Unser Nervensystem hat sich evolutionär mit der Tatsache entwickelt, dass wir möglichst gut in Verbundenheit leben. Deshalb erzeugt der Körper die Energie, die wir Angst nennen, wenn wir uns in unserem Denken von der Verbundenheit getrennt haben und lieblos gegenüber uns selbst oder gegenüber der Mitwelt leben. 

Die gesellschaftliche Organisation der Menschen ist Teil der Verbundenheit. Ohne Liebe können wir nichts gemeinsam schaffen. Zugleich hat sich aber ein komplexes Netzwerk von Angst voreinander entwickelt. Es besteht aus Aggressivität gegeneinander, Bösartigkeit, Egoismus und Moral als Versuch, den Egoismus einzuschränken.  Die Angst entsteht in schlechten mitmenschlichen Beziehungen, die von Ausnutzen, Dominieren und Unterwerfen gekennzeichnet sind. Bei Störungen der Verbundenheit entsteht Angst. Dann sind wir in dem Gegeneinander gefangen sowohl als Opfer der Aggressivität anderer wie auch als Täter, der seine Angst in Aggressionen gegen andere und gegen sich selbst umsetzt.  

Solange wir diesen Mechanismus in uns selbst nicht durchschauen und beenden, erzeugen wir Angst. Diese Angst, die aus der Störung der Verbundenheit und Liebe erzeugt wird, fordert uns auf, dass wir aufhören sollen, zu versuchen, unsere Probleme im Kampf gegeneinander zu lösen. Wenn wir uns weder als Opfer noch Täter begreifen, sondern als liebevoll handelnde Menschen endet diese Angst. Im tiefen Verstehen der Verbundenheit gestalten wir die Beziehungen zur Mitwelt zusammen mit denjenigen, die dies ebenfalls verstanden haben.

Die Unterscheidung von realen und gedachten Gefahren, das Bewusstsein vom Leben im Jetzt und in der Verbundenheit ist die Grundlage unseres Handelns. In den konkreten Situationen ist dies nicht immer leicht zu erkennen, wenn wir in die Falle „Angst“ geraten sind. Nicht durch gedankliche Überlegungen, sondern nur an den Ergebnissen unseres Handelns („an den Früchten“) können wir erkennen, ob unterschwellige, noch nicht bewusste Angst unser Handeln bestimmt hat. Die Freiheit von Angst führt zur stimmigen Bewältigung der Gegenwart in Verbundenheit. Das Resultat zeigt sich in der Qualität unserer Beziehungen zur Umwelt, zu den Mitmenschen und zu unserem Körper.

Da sich die Gegenwart unaufhörlich verändert, wird auch unser angstfreies Handeln immer wieder neu sein. Normen, Spielregeln, Moral und Vorgaben von anderen haben darin keinen Platz. Das liebevolle Handeln als ein Teil des Ganzen in der Gegenwart ist die Anforderung des Lebens an uns.

Wir, die wir an einem angstfreien Leben in Verbundenheit interessiert sind, lernen im Miteinander immer besser die Angstmechanismen zu durchschauen und uns aus ihnen zu lösen.

So entsteht zugleich eine Gemeinschaft ohne Angst voreinander. Unter diesem Dach spüren wir die Verbundenheit. Wir laden alle, die daran interessiert sind, ein, das Haus Angstfreileben mitzugestalten und zu vergrößern.

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